Politik und Respekt – Wir haben ein Problem!

In den Rankings der am wenigsten angesehenen Berufsgruppen landen wir Politiker regelmäßig ganz weit vorne. Ok, damit kann ich umgehen.

In den letzten Jahren hat es aber eine Entwicklung gegeben, für die ich keinerlei Verständnis habe: Das fehlen jeglichen Respektes. Es hat begonnen in den Kommentarbereichen der Medienseiten, hat sich fortgesetzt über die sozialen Medien und hat schon lange auch das ganz reale Leben erreicht. Es wird geschimpft, oft auch beleidigt, es werden Unterstellungen und Verallgemeinerungen verbreitet, gierig auf Fehler gewartet und dann höhnisch auf diese reagiert. Und so ganz langsam fangen auch weitere Grenzen an zu bröckeln. Viele Kolleginnen und Kollegen mussten bereits Drohungen und Bedrohungen erdulden.

Fehlender Respekt gefährdet die Grundpfeiler unserer Gesellschaft

Wir haben ein Problem. Wo Politik draufsteht, scheint in den Augen vieler auch immer das gleiche enthalten zu sein: Unehrlichkeit, Klüngelei, Lobbyismus – oder um es kurz zusammen zu fassen: „Die da oben machen doch eh, was sie wollen“. Davon betroffen sind auch die vielen tausend ehrenamtlichen Politiker in Deutschland. Die Stadträte, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Ortsvorsteherinnen, die Vorstandsmitglieder in Ortsvereinen und Ortsverbänden und viele mehr.

Immer wieder höre ich, dass Menschen sich nicht mehr engagieren wollen, weil sie Anfeindungen und Beschimpfungen leid sind. Oder weil sie sogar wirklich Angst haben. Das macht mich wütend und traurig! Denn damit wird der Grundpfeiler unserer Gesellschaft gefährdet. Wir brauchen viele Menschen, die sich engagieren und einsetzen und unsere Demokratie lebendig halten. Dafür brauchen wir aber auch Respekt!

Rechtfertig Frust alles?

Vermutlich wird so mancher jetzt denken, dass die Politikerinnen und Politiker doch selbst schuld seien. Ich kann Frustration und Ärger über politische Verhältnisse häufig sogar gut verstehen. Auch ich habe mich schon oft geärgert, auch ich war frustriert über so manche politische Entscheidung. Aber meine Konsequenz daraus war nicht nur zu meckern, zu schimpfen und die Schuld bei denjenigen zu suchen, die in der Politik sind. Nein, ich habe mich engagiert, ich habe selbst Politik gemacht. Dabei habe ich lernen müssen, dass Politik immer einen Kompromiss bedeutet. Und das ist gut so! Ein Kompromiss bedeutet zwar auch, dass man Abstriche machen muss, dass manche Dinge nicht umgesetzt werden können. Aber ein Kompromiss schließt viele Menschen ein und versucht einen Ausgleich zu schaffen. Dies ist einer der wichtigsten Wesenszüge unserer Demokratie.

Die da oben?

Es wird oft das bereits erwähnte Klischee des „Die da oben“ bemüht. Und in vielen Bereichen in Deutschland ist das auch leider richtig. Die soziale Durchlässigkeit, also die Möglichkeit, sich von ganz unten nach ganz oben zu arbeiten, wird immer schwieriger. Aber wenn es einen Bereich gibt, in dem Deutschland geradezu eine vorbildliche Chancengerechtigkeit hat, dann in der Politik!

Anders als in vielen Ländern spielt es bei uns keinerlei Rolle, aus welchen finanziellen Verhältnissen jemand kommt. Wer sich engagiert, einbringt, mitredet, mitdiskutiert und dann auch mitarbeitet, der hat in den deutschen Parteien alle Chancen. Dazu braucht es weder Abitur noch Studium, weder reiches Elternhaus noch eine besondere Herkunft. Aber es braucht Fleiß und Durchhaltevermögen. Die allerwenigsten, die sich viele, viele Stunden im Monat ehrenamtlich in der Politik engagieren, können davon Leben oder bekommen überhaupt auch nur einen Cent dafür. Und dennoch müssen sie sich von denjenigen, die nur meckern wollen aber nichts tun, beschimpfen lassen. Das finde ich schäbig.

Wir müssen über Respekt sprechen!

Es wird Zeit, dass wir wieder über Respekt sprechen, Respekt vor denjenigen, die sich engagieren. Es mag inhaltliche Differenzen geben, andere Lösungsansätze, andere Ideen. Aber eines haben politisch Aktive in den demokratischen Parteien fast alle gemeinsam: Sie möchten etwas verändern, sie möchten das Beste für die Menschen. Ich kann das Argument „dann muss die Politik etwas für den Respekt tun“ nicht akzeptieren. Ich habe den Eindruck: Die meisten, die das sagen, haben sich noch nicht einmal mit Politik beschäftigt.

Wer Unzufrieden ist, bringe sich ein!

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